Eine umfassende NAEMSP-Übersicht und Analyse der wissenschaftlichen Literatur
Zusammenfassung des Artikels: rehospital Trauma Compendium: Prehospital Management of Spinal Cord Injuries – A NAEMSP Comprehensive Review and Analysis of the Literature
Der Artikel „Prehospital Trauma Compendium: Prehospital Management of Spinal Cord Injuries – A NAEMSP Comprehensive Review and Analysis of the Literature“ bewertet die Evidenzlage zu Immobilisation und Spinal Motion Restriction (SMR) im prähospitalen Management von Wirbelsäulenverletzungen kritisch.
Ziel und Methodik
- Ziel ist es, die Pathophysiologie verzögert auftretender neurologischer Schäden sowie Nutzen und Schaden von Immobilisation und SMR systematisch zu bewerten.
- Es wurde eine strukturierte Literaturrecherche (PubMed, Embase, CINAHL, Web of Science, ab 1900) im Rahmen der NAEMSP Trauma Compendium Series durchgeführt.
- Von 3944 gescreenten Arbeiten wurden 115 Studien eingeschlossen; diese adressierten Pathophysiologie, potenzielle Schäden, Effektivität von Immobilisationsmaßnahmen und weitere Aspekte.
Zentrale Ergebnisse
- Nur wenige Studien befassen sich direkt mit der Pathophysiologie verzögert auftretender neurologischer Verschlechterung; zwei Fallserien postulieren posttraumatische Bewegung der Wirbelsäule als Ursache, während acht retrospektive Studien (inklusive Fall-Kontroll- und Kohortenstudien) einen Zusammenhang zwischen Hypoperfusion und neurologischer Verschlechterung zeigen.
- Insgesamt zeigen 55 Studien relevante Schäden durch Immobilisationsmaßnahmen (z.B. Schmerz, Druckschäden, Atemeinschränkungen, verlängerte Versorgungszeiten); es gibt jedoch keine Studie, die einen eindeutigen klinischen Nutzen von Vollimmobilisation oder SMR belegt.
- 58 Studien untersuchten die Effektivität von Immobilisation, ohne einen überzeugenden Beleg dafür zu liefern, dass standardisierte Immobilisation neurologische Outcomes verbessert.
Schlussfolgerungen und Implikationen für den Rettungsdienst
- Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass es in der veröffentlichten Literatur keine belastbaren Daten gibt, die die routinemäßige Wirbelsäulenimmobilisation bzw. SMR als „Standard of Care“ im prähospitalen Setting stützen.
- Angesichts der dokumentierten Schäden und des fehlenden Nutzennachweises sollten Maßnahmen zur Reduktion des Einsatzes von Zervikalstützen erwogen werden.
- Der Gebrauch von Spineboards und Ganzkörper-Vakuummatratzen sollte möglichst auf die Phase der aktiven technischen Rettung beschränkt und danach so früh wie möglich beendet werden.
Link zum Original: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/10903127.2025.2541258#abstract