Neue Leitlinie zum kindlichen Krampfanfall
Aktuelle Studie zum Wissen der Pflegende zum Thema Dekubitusprophylaxe
Die Leitlinie beschreibt den konvulsiven Status epilepticus (kSE) als einen der häufigsten neurologischen Notfälle im Kindes- und Jugendalter und legt ein zeitkritisches, stufenweises Akutmanagement mit klar definierten Therapiestufen fest. Sie betont die rasche Gabe altersadaptierter Benzodiazepine, gefolgt von Second-line-Antikonvulsiva und bei refraktärem Verlauf einer intensivmedizinischen Anästhesietherapie.
Definition und Einordnung
- Der kSE wird als anhaltender motorischer epileptischer Anfall oder Serie von Anfällen definiert, bei denen der neurologische Ausgangsstatus zwischen den Anfällen nicht wieder erreicht wird.
- Die Leitlinie unterscheidet prolongierten Anfall (≥ 5–10 Minuten), etablierten Status (persistierende Anfallsaktivität > 10–30 Minuten trotz Benzodiazepin) sowie refraktären und superrefraktären Status (> 30–60 Minuten bzw. > 24 Stunden trotz adäquater Therapie).
Pathophysiologie und Relevanz
- Mit zunehmender Dauer des kSE nehmen Anfallsbeendigung, Therapieansprechen und Prognose exponentiell ab, während Mortalität und neurologische Folgeschäden steigen.
- Der kSE wird daher als zeitkritischer Notfall mit niedriger Schwelle zur Akuttherapie eingestuft; die Tendenz geht hin zur früheren Behandlung bereits bei prolongierten Anfällen und Anfallsclustern, um einen etablierten Status zu verhindern.
Diagnostik und Allgemeinmaßnahmen
- Initial stehen Sicherung von Vitalfunktionen (ABCDE-Schema), Schutz vor Verletzungen, Sauerstoffgabe und rasche Etablierung eines Gefäßzugangs im Vordergrund.
- Parallel werden Glukose, Elektrolyte und potenzielle Ursachen abgeklärt; ein zeitnahes EEG (idealerweise innerhalb 1 Stunde, ggf. kontinuierlich) wird insbesondere bei prolongierten oder refraktären Verläufen empfohlen.
Medikamentöse Stufentherapie
- Stufe 1 (Initialphase): Benzodiazepine (Diazepam, Midazolam, Lorazepam) sind Therapie der Wahl; bei fehlendem i.v.-Zugang werden rektales Diazepam oder bukkales Midazolam mit altersabhängigen Dosierungen empfohlen.
- Stufe 2 (etablierter kSE): Es folgen intravenöse Zweitlinien-Antikonvulsiva (z.B. Levetiracetam, Valproat, Phenytoin/Phosphenytoin) mit Auswahl nach Alter, Komorbiditäten und potenziellen Nebenwirkungen (z.B. vorsichtiger Einsatz von Valproat bei kleinen Kindern und vermuteter Mitochondriopathie).
- Stufe 3 (refraktärer/superrefraktärer kSE): Bei persistierenden Anfällen wird eine kontinuierliche Therapie mit i.v.-Anästhetika (z.B. Midazolam, Propofol, Thiopental) unter intensivmedizinischen Bedingungen zur Unterbrechung der klinischen und EEG-Anfallsaktivität empfohlen.
Ätiologie, Prognose und Nachsorge
- Die Leitlinie betont die alters- und syndromspezifische Ätiologiesuche (akute symptomatische, strukturelle, genetische, metabolische und kryptogene Ursachen), da diese Management und Prognose entscheidend beeinflusst.
- Die Mortalität liegt im Kindesalter im unteren einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich, mit höherem Risiko bei jungen Säuglingen, symptomatischer Ursache, Therapieverzögerung und Komplikationen; eine strukturierte Verlaufsdokumentation und Festlegung einer Dauertherapie werden empfohlen.
Link zur Leitlinie: https://register.awmf.org/assets/guidelines/022-019l_S1_Therapie-konvulsiver-Status-epilepticus-Kinder-Jugendliche_2026-01.pdf