Neues Leitlinie
2026 ASA/AHA Stroke Guideline
Die Leitlinie 2026 ersetzt die Version von 2018/2019 und erweitert v. a. die Reperfusions‑Optionen (Tenecteplase, EVT bis 24 h, inkl. posterior circulation) und enthält erstmals konkrete Empfehlungen für pädiatrische Schlaganfälle.
Übergreifende Neuerungen
- Ablösung der 2018er Leitlinie plus 2019-Update, Integration der Evidenz bis ca. 2025 für die frühe Versorgung des akuten ischämischen Schlaganfalls (AIS) vom prähospitalen Setting bis zur frühen Sekundärprävention.
- Starker Fokus auf Stroke‑Systeme: regionale Netzwerke, telemedizinische Anbindung, Standardisierung von Door‑to‑Needle und Door‑to‑Groin Zeiten, Nutzung von Qualitätsregistern (z. B. Get With The Guidelines – Stroke).
- Neue bzw. präzisierte Empfehlungen zu: Thrombolytikawahl (Tenecteplase vs. Alteplase), erweiterter EVT‑Indikation (Zeitfenster, Infarktkern, Gefäßterritorium), Management von Hyperglykämie und Dysphagie sowie spezifische Betrachtung pädiatrischer Patienten.
Prähospital und Strukturen
- Betonung regionaler Stroke‑Systeme mit definierter Triage zu thrombektomiefähigen Zentren (TSC), insbesondere bei Verdacht auf LVO; Ziel ist direkte Zuweisung statt „Drip & Ship“, wo logistisch möglich.
- Mobile Stroke Units werden ausdrücklich unterstützt, da sie CT‑Bildgebung und Lyse bereits im Rettungsmittel ermöglichen und die Zeit bis zur Therapie verkürzen.
- Klare Zielvorgaben: Erstradiologie (CT/MRT) innerhalb von 25 Minuten nach Eintreffen, rasche Gefäßbildgebung zur LVO‑Diagnostik.
Bildgebung und Diagnostik
- Initial: rasche kranielle Bildgebung, primär NCCT oder MRT, zur Unterscheidung ischämisch vs. hämorrhagisch und als Basis für Reperfusionsentscheidungen.
- Erweiterte Bildgebung (CT‑Perfusion oder MRT‑basierte Perfusion/Diffusion) für „extended window“ (bis 24 h) und Wake‑up‑Strokes; wo Perfusion nicht verfügbar ist, Empfehlung zur Nutzung von ASPECTS‑Score auf Standard‑CT zur EVT‑Selektion, auch bei größerem Infarktkern.
Reperfusionstherapie: i.v. Lyse
- Tenecteplase (0,25 mg/kg i.v. Bolus) wird als wirksame Alternative zu Alteplase innerhalb von 4,5 h empfohlen; Vorteil ist die Einmalgabe und vereinfachte Logistik im Vergleich zur 60‑min‑Infusion mit Alteplase.
- Sowohl Tenecteplase als auch Alteplase sind innerhalb von 4,5 h akzeptiert; Wahl kann sich an Logistik, Klinikstrukturen und Patienteneigenschaften orientieren.
- Bei Patienten mit Wake‑up‑Stroke oder spätem Eintreffen kann eine Lyse bis zu 24 h nach Symptombeginn erwogen werden, wenn die Bildgebung ein Mismatch bzw. noch rettbares Gewebe zeigt.
Endovaskuläre Therapie (EVT)
- EVT bleibt Standard bei LVO im vorderen Kreislauf; Patienten, die sowohl für Lyse als auch EVT geeignet sind, sollen beides erhalten, ohne die Thrombektomie zu verzögern.
- Zeitfenster: EVT nun bei ausgewählten Patienten bis 24 h nach Symptombeginn empfohlen, auch wenn ASPECTS auf einen großen Infarktkern hinweist, sofern ausreichendes penumbrales Gewebe vorliegt.
- Erweiterung auf hinteren Kreislauf: bestimmte posterior‑circulation‑Stroke‑Patienten werden neu explizit als EVT‑Kandidaten aufgeführt.
- EVT bei mittel‑ oder kleinkalibrigen Gefäßverschlüssen wird nicht routinemäßig empfohlen, kann aber im Rahmen von Studien erwogen werden.
Supportive Therapie und Komplikationsmanagement
- Blutdruck: Vermeidung aggressiver Senkung unmittelbar nach Reperfusion; Ziel ist hämodynamische Stabilität ohne Hypoperfusion des ischämischen Areals.
- Temperatur- und Glukosemanagement: konsequente Normothermie, Vermeidung von Hyperglykämien; klare Empfehlung zum Screening und Management von Dysphagie zur Pneumonieprävention.
- Thromboseprophylaxe mit intermittierender pneumatischer Kompression bei immobilen Patienten wird hervorgehoben, ebenso frühzeitige Aufnahme auf spezialisierte Stroke Units.
Pädiatrische Schlaganfälle (neues Kapitel)
- Erstmals detaillierte Empfehlungen zu Diagnostik und Therapie von Schlaganfällen bei Kindern (28 Tage–18 Jahre).
- Diagnostik: wegen hoher Rate an „Stroke‑Mimics“ (Migräne, Anfälle, Trauma, Tumor) wird bei Verdacht auf AIS zügig MRT/MRA empfohlen; CT ist akzeptabel, wenn MRT nicht zeitnah verfügbar ist.
- Therapie:
- i.v. Alteplase kann bei Kindern mit schwerer Behinderung durch AIS innerhalb von 4,5 h erwogen werden.
- EVT durch erfahrene Neurointerventionalisten kann bei LVO ab 6 Jahren innerhalb von 6 h, ggf. bis 24 h bei nachweislich rettbarem Gewebe, sinnvoll sein.
Diese Punkte decken die zentralen praxisrelevanten Änderungen ab; für die Umsetzung vor Ort (z. B. Anpassung von Stroke‑Pfaden, SOPs und rettungsdienstlicher Triage) lohnt sich ein Blick in die Vollversion und ggf. die Kurzversionen/Checklisten der Fachgesellschaften.
Das Original finden Sie unter https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/STR.0000000000000513