Pflege: Unser Artikel des Monats
Aktuelle Studie zum Wissen der Pflegende zum Thema Dekubitusprophylaxe
Die Studie „Assessment of Registered Nurses’ Knowledge of Pressure Injury Prevention and the Impact of Training Recency: A Cross-Sectional Study“ untersucht die Kenntnisse von examinierten Pflegefachpersonen zur Prävention von Dekubitus (pressure injuries, PI) in der Erwachsenpflege anhand eines standardisierten Wissensfragebogens (PIPK-Tool). Sie zeigt relevante Wissenslücken bei zentralen Präventionsmaßnahmen und leitet daraus Konsequenzen für Ausbildung, Fortbildung und Qualitätsmanagement ab.
Kernaussagen der Studie
- Es handelt sich um eine quantitative Querschnittsstudie, in der das „Pressure Injury Prevention Knowledge“-Instrument (PIPK) eingesetzt wurde, um das Wissen registrierter Pflegekräfte zur Dekubitusprophylaxe zu erfassen.
- Untersucht wurden praxisrelevante Themen wie Risikoeinschätzung, Lagerung, Hautinspektion, Einsatz von Hilfsmitteln und Ernährung in der Dekubitusprävention.
- Die Studie fand insgesamt unzureichendes bzw. uneinheitliches Wissen in mehreren Teilbereichen der Dekubitusprävention, trotz bestehender Leitlinien und Fortbildungsangebote.
Zentrale Ergebnisse zum Pflegewissen
- Pflegekräfte schnitten tendenziell besser bei grundlegend bekannten Maßnahmen (z.B. regelmäßige Umlagerung) ab, während spezifische, evidenzbasierte Aspekte (z.B. korrekte Nutzung von Risikoscores, differenzierte Lagerungstechniken, Auswahl von Auflagen) deutlich schwächer waren.
- Es zeigten sich Unterschiede im Wissensstand in Abhängigkeit von formaler Qualifikation, Berufserfahrung und Teilnahme an einschlägigen Fortbildungen. [
- Die Autoren schließen, dass vorhandene Leitlinien und Materialien nicht automatisch zu ausreichendem praktischen Wissen bei allen Pflegenden führen.
Bedeutung für den pflegerischen Alltag in Deutschland
- Dekubitusprävention ist ein zentrales Qualitäts- und Haftungsthema in deutschen Einrichtungen (Krankenhaus, stationäre und ambulante Langzeitpflege); die Studie unterstreicht, dass ohne systematische Wissenssicherung weiterhin vermeidbare Druckulzera auftreten können.
- Für deutsche Träger ergibt sich die Notwendigkeit, Dekubitusprävention nicht nur in Standards zu formulieren, sondern Wissensniveaus regelmäßig zu überprüfen (z.B. mit strukturierten Tests/Assessments) und Fortbildungen gezielt an den erkannten Lücken auszurichten. [
- Im Rahmen von MD-Prüfungen und Qualitätsindikatoren (z.B. Häufigkeit von Dekubitus in stationären Einrichtungen) liefert die Studie eine Argumentationsgrundlage, Personalentwicklung und Schulungen zur Dekubitusprophylaxe als prioritäre Maßnahme zu verankern.
Implikationen für Aus-, Fort- und Weiterbildung
- Praxisanleiter können Inhalte zur Dekubitusprävention stärker kompetenzorientiert und fallbasiert ausrichten, um über reines Faktenwissen hinaus sichereres Handeln am Patienten zu fördern.
- Einrichtungen sollten verpflichtende, wiederkehrende Schulungen zur Dekubitusprävention in ihr Fortbildungsprogramm aufnehmen, idealerweise mit Wissensüberprüfung vor/nach der Maßnahme und Verknüpfung mit klinischen Kennzahlen (Dekubitus-Inzidenz).
- Die Nutzung standardisierter Wissenstests (analog zum PIPK-Tool) kann helfen, Effekte von Fortbildungen messbar zu machen und Qualitätsmanagement sowie Personalentwicklung datenbasiert zu steuern
Praktische Ansatzpunkte für Einrichtungen in Deutschland
- Systematische Erhebung des Wissensstandes zur Dekubitusprävention bei neuen Mitarbeitenden und in regelmäßigen Abständen (z.B. jährlich).
- Verknüpfung von Dekubitusprävention mit klinischen Pfad-Elementen und Checklisten (z.B. initiales Risikoassessment, standardisierte Lagerungspläne, Dokumentationspflichten).
- Integration der Studienergebnisse in interne Audits und Fallbesprechungen (Root-Cause-Analysen bei Dekubitusfällen) zur Identifikation von Wissens- und Umsetzungsdefiziten im Team.
Link zum original Artikel: https://www.dovepress.com/article/download/107716
(Stand Jan. 2025)