POCUS kann Leben retten!
Zusammenfassung des Artikels: The impact of point-of-care ultrasound-guided resuscitation on clinical outcomes in patients
In dieser systematischen Übersichtsarbeit mit Metaanalyse zeigt sich, dass POCUS‑gestützte Reanimation bei erwachsenen Patient:innen im Schockzustand wahrscheinlich die 28‑Tage‑Mortalität und den Bedarf an Organersatzverfahren reduziert und gleichzeitig die Dauer vasoaktiver Therapie sowie die Laktatspiegel verbessert, ohne die Intensiv- oder Krankenhausverweildauer zu verlängern.
Hintergrund und Zielsetzung
- Untersucht wurden erwachsene Patient:innen mit Schock (verschiedene Schockformen) in Notaufnahme und Intensivstation, bei denen die Reanimation entweder mit oder ohne strukturierte POCUS‑Steuerung erfolgte.
- Ziel war es zu klären, ob POCUS‑gestützte Reanimationsstrategien patientenrelevante Endpunkte wie Mortalität, Organversagen und Ressourcenverbrauch positiv beeinflussen.
Methodik
- Eingeschlossen wurden ausschließlich randomisierte kontrollierte Studien, die POCUS zur Steuerung der Schocktherapie (z. B. Volumentherapie, Vasopressoren, Inotropika) mit Standardversorgung ohne systematische POCUS‑Protokolle verglichen.
- Es wurden Datenbanken wie MEDLINE und Embase sowie unveröffentlichte Quellen bis Dezember 2023 durchsucht; insgesamt gingen RCTs mit mehreren hundert Patient:innen in die Metaanalyse ein (18 RCTs werden in Sekundärquellen genannt).
Zentrale Ergebnisse
- 28‑Tage‑Mortalität: POCUS‑geführte Reanimation reduzierte die 28‑Tage‑Mortalität wahrscheinlich moderat (relatives Risiko etwa 0,88; 95‑%‑Konfidenzintervall 0,78–0,99; niedrige bis moderate Evidenzsicherheit).
- Laktat-Clearance: Es zeigte sich eine signifikante Verbesserung der Laktat-Clearance, was als Marker für eine schnellere Schockauflösung interpretiert wird (hohe Evidenzsicherheit).
- Vasoaktive Medikamente: Die Dauer der Gabe von Vasopressoren/Inotropika war in der POCUS‑Gruppe im Mittel um rund dreiviertel Tag kürzer (mittlere Differenz ca. −0,73 Tage; 95‑%‑KI −1,16 bis −0,30; niedrige bis moderate Evidenz).
- Nierenersatztherapie: Es bestand ein Trend zu weniger Bedarf an Nierenersatzverfahren (RR etwa 0,80; 95‑%‑KI 0,63–1,02; niedrige bis moderate Evidenz).
- Weitere Outcomes: Für Aufnahme auf Intensivstation, ICU-/Krankenhausverweildauer und Bedarf an invasiver Beatmung ergab sich wahrscheinlich kein relevanter Unterschied; die Effekte auf akutes Nierenversagen sowie Dauer von Beatmung oder Dialyse waren sehr unsicher.
Interpretation und Bedeutung für die Praxis
- POCUS ermöglicht eine physiologieorientierte Steuerung der Reanimation, etwa durch Beurteilung von Ventrikelfunktion, Volumenstatus und venöser Stauung, wodurch Volumen- und Katecholamintherapie individueller angepasst werden kann.
- Die Autor:innen schlussfolgern, dass POCUS‑gestützte Reanimation beim Schock relevante Vorteile für Patient:innen und Gesundheitssystem bringen kann, insbesondere bezüglich Mortalität, Laktat-Clearance, Dauer vasoaktiver Therapie und möglichem Rückgang von Nierenersatzverfahren.
- Offene Fragen betreffen notwendige Ausbildungs- und Kompetenzniveaus, optimale Häufigkeit und Timing der POCUS‑Untersuchungen sowie spezifische Protokolle für unterschiedliche Schockformen; dazu lagen zu wenig Daten für belastbare Subgruppenanalysen vor.
Link zur Publikation: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39298556/